Über Sonja Bolz
Sie ist eine Ausnahmeerscheinung – und das in jeder Hinsicht: Groß, schlank und mit Modell-Qualitäten ausgestattet ist Sonja Bolz ein Hingucker. Aber auch sportlich weiß die gelernte Pferdewirtin mit Einmaligkeit zu beeindrucken: Denn sie zählt nicht nur im Viereck zu Deutschlands Spitze und zu den hoffnungsvollsten Nachwuchstalenten, auch im Parcours überfliegt sie ohne Probleme Hindernisse in schwersten Prüfungen. Eine Disziplin-Kombination, die man in der Republik kaum ein zweites Mal findet.
Den Wunsch zu reiten, hatte Sonja Bolz früh. Bereits mit acht Jahren wollte sie aufs Pferd – ihre Eltern hielten von der Idee nichts: Pferde treten, beißen und man kann von ihnen herunterfallen, so die Begründung. Vier Jahre lag die Ambitionierte Mama und Papa in den Ohren und mit zwölf Jahren war es geschafft – der erste Reitunterricht stand an. „Da ging es aber mehr ums oben halten, als ums Reiten lernen“, erinnert sich die Blondine. Ernsthafte Formen im Sattel nahm das Ganze an, als Sonja Bolz 1993 auf dem Sonnenhof anfängt und Unterricht bekommt. Noch heute stehen ihre Pferde auf der Anlage. Und auch die Eltern hatten ein Einsehen: Calippo wurde angeschafft, ein fünfjähriger Cicero-Sohn, mit dem Sonja Junioren L-Dressur und Springen ritt.
Doch dann: Die Lust am Reitsport war weg! „Das lag nicht an Calippo, aber er war an seinem Limit und mich langweilte das etwas anspruchslose tägliche Gymnastiktraining mit den Springpferden. Das war irgendwie zu monoton.“ Anderthalb Jahre dauert die Pause und als über den Wiedereinstieg nachgedacht wurde, war klar, dass es ein Dressurpferd sein sollte, das Potenzial für mehr hat. Es wurde Goranus, ein 14-jähriger Westfale, mit dem sich Sonja Bolz bis zur schweren Klasse hocharbeitete: Die erste Goldene S-Schleife gab es im September 2002. Und dann ging alles ganz schnell: 2004 wurde Cockney gekauft – der Holsteiner Wallach hatte unter Nadine Capellmann das Finale des Nürnberger Burg-Pokals gewonnen, die ganz großen Grand Prix-Erfolge waren aber bis dato ausgeblieben. Zum neuen Pferd gab es auch durch Zufall einen Trainer: Dieter Laugks ist seit 2004 an der Seite von Sonja Bolz.
Nur ein Jahr später tritt das Paar erstmals in besondere Erscheinung: Sie gewinnen das Finale des Piaff-Förderpreises in Stuttgart, davor war die Talentierte schon Rheinische Meisterin geworden. Weitere vordere Platzierungen hagelt es bei Internationalen Turnieren, 2005 wird der Hobby-DJ und Madonna-Fan in den B2-Kader berufen.
Was sie im Viereck so bemerkenswert präsentiert, gelingt ihr in ähnlicher Weise auch im Parcours. Nicht selten tauscht sie auf einem Reitsport-Event Frack und Zylinder gehen Springjackett und Reitkappe und saust meist mit Hengst Napolitain D’Excellence über den Stangenwald. „Über einen Sieg im S-Springen freue ich mich fast noch mehr“, gesteht Sonja Bolz und deshalb hat sie mit der Verleihung ihres Goldenen Reiterabzeichens auch freiwillig gewartet – denn sie wollte es in Kombination in Springen und Dressur erhalten. Und das gab es beim CHIO in Aachen 2006.
Mittlerweile stehen acht Pferde im Stall Bolz, fünf Dressurcracks darunter der Youngster DJ Detroit und drei Jumper und auch die Familie zieht mit: Mama Bolz managet ihre Tochter, fährt LKW, kümmert sich um den Schmied und verteilt allabendlich Möhrchen an die Vierbeiner. Trainiert werden alle Pferde im Springen und in der Dressur im gleichen Maße. „Für den Parcours ist es von Vorteil, wenn sie sich besser versammeln lassen und gut in der Balance stehen“, analysiert die vielseitig Begabte. Und Bundestrainer Holger Schmezer fügt hinzu: „Ihren Erfolg im Springsattel merkt man auch im Viereck. Sie traut sich wenigstens mal, einen richtigen starken Galopp zu reiten.“
Sonja Bolz ist noch lange nicht am Zenit ihrer Karriere angekommen, aber mit ihrer Willenskraft, ihrem Durchsetzungsvermögen und ihrem feinen Gespür für die unterschiedlichsten Pferde stehen ihr alle Türen offen!