Über Thomas Frühmann
Es war die Krönung eines einzigartigen Jahres, die selbst einen ausgebufften Routinier um Fassung ringen ließ: Thomas Frühmann siegte in der Riders Tour 2006 und suchte nach seinem Triumph verzweifelt nach den richtigen Worten: „Ich bin so beeindruckt, mehr kann ich gar nicht sagen.“
Die Geschichte seines Riders Tour-Erfolges ist schnell erzählt:
Zwei Etappen ausgelassen (Hamburger Derby und EON Westfalen Weser Challenge) nahmen der Spitzenreiter und Ausnahme-Pferd The Sixth Sense mit einem dritten Platz beim internationalen Pfingstturnier in Wiesbaden und mit seinem Sieg bei den German Classics in Hannover Fahrt auf. Beim Highlight in München zeigte das Pärchen Coolness. Die anderen Gladiatoren waren stark und schnell. Bei dem Team aus Österreich passte es im Stechen nicht richtig: Platz acht. Der Trainingspartner von Thomas Frühmann, Heinrich Hermann Engemann, rief ihm aber dann die entscheidenen Worte zu: „Du hast es!“ Der Sieger konnte sein Glück nicht fassen: „Das ist alles so schön für mich. Hannover und München waren nur noch eine Draufgabe.“
Mit der „Draufgabe“ meinte Thomas Frühmann seine Rückkehr in den großen Sport. Denn 2006 hagelte es nur so goldene Schleifen: Sieg bei den Weltcup-Stationen in Leipzig, Vigo (ESP) und Genf (SUI) und bei Großen Preisen wie z. B. Cannes (FRA), Göteborg (SUI) und Dortmund. Ganz wie in den 80er und 90er Jahren, als er im internationalen Reitsportkarussell ordentlich mitmischte. Mit Grandeur gewann er drei Mal (1988, 1990 und 1991) das Hamburger Derby. Außerdem trug ihn der Hengst zu fünf Siegen bei Weltcup-Springen und zum ersten Platz beim Großen Preis beim CHIO in Aachen 1990.
Mehrmals wurde er österreichischer Staatsmeister, gewann mit Genius 1992 das Weltcup-Finale in Del Mar (USA) und bei den Olympischen Spielen in Barcelona (ESP) im selben Jahr gab es Teamsilber noch dazu. Danach wurde es ruhig um den Schüler von Alwin Schockemöhle, es fehlten die richtigen Kracher. „Ich ritt zwar, aber die Pferde waren nicht gut genug. Also startete ich mit den Pferden bei anderen Turnieren. Viele dachten, ich hätte aufgehört, aber das stimmte nicht“, beschreibt Thomas Frühmann seine Abstinenz von internationalen Sport-Events.
Nun sind die Modell-Athleten wieder da. Neben Limited Edition v. Darco steht Thomas Frühmann seit Ende 2003 noch ein Spitzenpferd von Weltformat zur Verfügung. Der Altmeister kaufte The Sixth Sense ohne ihn ausprobiert zu haben, seine Ex-Ehefrau Serena Hamberg, mit der Frühmann eine tiefe Freundschaft verbindet, leistete die notwendige finanzielle Unterstützung.
Mit dem zurückgekehrten Erfolg kamen Angebote: Nationenwechsel? Pferdeverkauf? Aber Frühmann blieb, wie er ist: bodenständig. Und das bedeutete, dass er zum Wohle seines Pferdes entschied. Das Weltcup-Finale in Kuala Lumpur (MAL) stand für ihn ebenso wenig zur Debatte wie ein Start bei den Weltreiterspielen in Aachen. Er wolle The Sixth Sense nicht verheizen und noch lange etwas von ihm haben – eine vorbildliche Einstellung.